Was ist Hike and Fish?
Hike and Fish kombiniert sportliches Bergwandern mit dem Angeln an extrem abgelegenen alpinen Gewässern. Du erreichst dabei unberührte Natur und wendest dein Fachwissen direkt am Berg an.
Dieser wachsende Trend verbindet zwei der schönsten Outdoor-Aktivitäten miteinander: das sportliche Bergwandern und das Angeln an extrem abgelegenen, meist alpinen Gewässern. Anstatt mit dem Auto direkt ans Ufer zu fahren und den Stuhl aufzuklappen, verdienst du dir deinen Fang durch körperliche Anstrengung. Du schnürst die Wanderschuhe, schulterst den Rucksack und legst oft etliche Höhenmeter zurück, bevor du überhaupt den ersten Wurf machen kannst. Der Reiz liegt dabei in der vollkommenen Abgeschiedenheit. Fernab von überlaufenen Talseen oder städtischen Kanälen findest du in der Höhe eine unberührte Natur, in der oft absolute Stille herrscht.
Gerade wenn du deinen Angelschein in Bayern gemacht hast und die Alpen praktisch direkt vor der Haustür liegen, bietet sich diese Form der Angelei perfekt an. Doch Hike and Fish ist nicht nur ein Spaziergang mit der Rute in der Hand. Es erfordert eine gute physische Kondition, Trittsicherheit im Gelände und ein fundiertes Verständnis für das Wetter im Gebirge, das extrem schnell umschlagen kann.
Gleichzeitig wendest du dein theoretisches Wissen aus der Fischerprüfung hier unmittelbar in der Praxis an. Du musst die Gewässerstruktur lesen, die Standplätze der Fische in glasklaren Bergseen erkennen und dich lautlos am Ufer bewegen, um die scheuen Salmoniden nicht zu vergrämen. Die Kombination aus körperlicher Herausforderung beim Aufstieg und der feinen, konzentrierten Technik beim anschließenden Angeln macht Hike and Fish zu einem unvergleichlichen Naturerlebnis, das dich als Angler und Bergsteiger gleichermaßen fordert.
Die richtige Packliste für die Berge
Für den Aufstieg benötigst du leichtes Tackle, wie eine kompakte Reiserute und einen faltbaren Kescher. Festes Schuhwerk und wetterfeste Kleidung sind in großer Höhe lebenswichtig.
Wenn du dich auf den Weg ins Gebirge machst, lautet die oberste Regel: Jedes Gramm zählt. Ein schwerer Rucksack wird beim steilen Aufstieg schnell zur Qual, weshalb du dein Equipment drastisch reduzieren und auf Leichtbauweise setzen musst. Du kannst nicht deine komplette Tackle-Box mitnehmen, sondern musst im Vorfeld genau selektieren, was du wirklich am Wasser brauchst.
Bevor du beispielsweise von München aus zu einer Tour in die Voralpen oder ins Hochgebirge aufbrichst, solltest du deine Ausrüstung nach dem Zwiebelprinzip und der Mehrfachnutzung planen. Deine Angelrute sollte zwingend eine kompakte Reiserute sein. Vierteilige Steckruten oder hochwertige Teleskopruten lassen sich sicher im oder am Rucksack verstauen, ohne dass du beim Klettern durch überstehende Rutenteile an Ästen hängen bleibst.
Folgende Dinge gehören zwingend auf deine Packliste für den Aufstieg:
- Kompaktes Tackle: Eine leichte Spinn- oder Fliegenrute (Klasse 3 bis 5), eine kleine Rolle und eine wasserdichte Box mit einer Handvoll fängiger Köder (kleine Blinker, Spinner oder Nymphen).
- Faltbarer Kescher: Ein Modell mit gummiertem Netz schont die Schleimhaut der Fische und lässt sich per Karabiner platzsparend am Rucksack befestigen.
- Waidgerechtes Zubehör: Hakenlöser, Fischtöter, ein scharfes Messer und ein Maßband müssen griffbereit sein.
- Alpine Grundausrüstung: Absolut essenziell sind knöchelhohe, feste Wanderschuhe mit griffiger Profilsohle. Dazu kommen wetterfeste, atmungsaktive Kleidung, ein Erste-Hilfe-Set, ausreichend Trinkwasser und energiereiche Verpflegung.
- Sonnenschutz: In der Höhe ist die UV-Strahlung extrem stark. Polarisationsbrille, Sonnencreme und eine Kopfbedeckung sind unverzichtbar, um die Augen zu schützen und Fische im Wasser besser zu erkennen.
Forellenregionen und sensible Biotope
Bergseen gehören zur typischen Forellenregion und sind extrem nährstoffarm sowie kälteempfindlich. Dein Wissen aus der Fischerprüfung hilft dir, diese sensiblen Habitate nicht zu zerstören.
Bergseen und hoch gelegene Fließgewässer gehören ökologisch gesehen zur klassischen Forellenregion. Wenn du dich an deine Prüfungsvorbereitung erinnerst, weißt du, dass diese Zonen durch ganz bestimmte Merkmale definiert sind: Das Wasser ist ganzjährig kalt, weist eine starke Strömung (bei Bächen) auf und hat einen extrem hohen Sauerstoffgehalt. In den Bergseen zeigt sich zudem meist ein sogenannter oligotropher Zustand. Das bedeutet, das Wasser ist extrem nährstoffarm, was zu der beeindruckenden, oft karibisch anmutenden Klarheit führt.
Dieses Wissen ist nicht nur Theorie, sondern essenziell für dein Verhalten am Wasser. Diese nährstoffarmen und kalten Biotope reagieren extrem empfindlich auf äußere Einflüsse. Die Vegetation am Ufer wächst aufgrund der rauen klimatischen Bedingungen und der kurzen Sommer nur sehr langsam. Wenn du unachtsam durch Schilfgürtel oder alpine Ufergewächse trampelst, richtest du Schäden an, die Jahre brauchen, um sich zu regenerieren. Solche hochsensiblen Zonen gibt es nicht nur in den Alpen, sondern beispielsweise auch im Schwarzwald, weshalb dieses ökologische Verständnis für deinen Angelschein in Baden-Württemberg oder jedem anderen Mittelgebirgsland ebenso wichtig ist.
Die Hauptfischarten, auf die du hier triffst, sind Bachforellen, Seesaiblinge und seltener Regenbogenforellen. Aufgrund des klaren Wassers können diese Fische dich auf weite Entfernungen wahrnehmen. Dein Prüfungswissen über das Verhalten von Salmoniden ist hier dein größter Vorteil: Du musst dich flach halten, grelle Kleidung vermeiden und den Schattenwurf auf das Wasser unbedingt verhindern. Nur wer das Biotop versteht und respektiert, wird beim Hike and Fish erfolgreich sein, ohne die empfindliche Balance der Bergseen zu stören.
Schonzeiten und gesetzliche Regeln im Hochgebirge
In alpinen Gewässern wachsen Fische wegen der langen Kälteperioden deutlich langsamer als im Tal. Daher weichen Schonzeiten und Entnahmefenster oft massiv von den allgemeinen Landesgesetzen ab.
Wer am Berg angelt, muss sich darauf einstellen, dass die gewohnten Regeln aus dem Flachland hier oft nicht gelten. Die klimatischen Bedingungen in alpinen Lagen haben direkte Auswirkungen auf die Biologie der Fische. Durch die extrem langen und strengen Winter sind viele hoch gelegene Bergseen monatelang von einer dicken Eis- und Schneeschicht bedeckt. Die aktive Fress- und Wachstumsphase der Fische beschränkt sich dadurch auf ein sehr kurzes Zeitfenster von oft nur drei bis vier Monaten im Hochsommer.
Das Resultat dieser Bedingungen ist ein deutlich langsameres Wachstum. Eine Bachforelle in einem kalten Bergsee auf 1.800 Metern Höhe braucht oft doppelt oder dreimal so lange, um ein Gewicht von einem Pfund zu erreichen, wie ein Artgenosse in einem warmen, nährstoffreichen Fluss im Tal. Aus diesem Grund weichen die gesetzlichen Regelungen an alpinen Gewässern meist stark ab. Lokale Pächter, Vereine oder Forstämter passen die Schonzeiten und Mindestmaße an die spezifischen Gegebenheiten an.
Oftmals findest du an solchen Gewässern sogenannte Entnahmefenster (Brittelmaß). Das bedeutet, dass nicht nur ein Mindestmaß gilt, ab dem ein Fisch entnommen werden darf, sondern auch ein Höchstmaß. Große, wertvolle Laichfische, die in der harten Umgebung überlebt haben, müssen wieder schonend zurückgesetzt werden, um den Bestand zu sichern. Auch die allgemeinen Schonzeiten sind oft verschoben oder deutlich verlängert. Du darfst dich also niemals blind auf das allgemeine Landesfischereigesetz verlassen. Es ist deine absolute Pflicht, vor dem Aufstieg die spezifische Gewässerordnung auf deiner Tageskarte genau zu studieren und die lokalen Regeln strikt einzuhalten.
Naturschutz und Waidgerechtigkeit
Hinterlasse keinen Müll und schone die empfindliche Ufervegetation, um Erosion am Hang zu vermeiden. Ein waidgerechter und respektvoller Umgang mit dem Fisch ist auch nach einem anstrengenden Aufstieg absolute Pflicht.
Der Schutz der Natur muss bei jedem Ausflug ans Wasser an erster Stelle stehen, doch im Hochgebirge bekommt dieses Thema eine noch größere Brisanz. Die raue Bergwelt verzeiht keine Fehler und baut Fremdstoffe nur extrem langsam ab. Das Konzept des "Leave No Trace" (Hinterlasse keine Spuren) ist beim Hike and Fish keine bloße Empfehlung, sondern ein unumstößliches Gesetz. Jeder abgerissene Gummifisch, jedes Stück Vorfachschnur und jede achtlos weggeworfene Verpackung bleibt dort für Jahrzehnte liegen. Du nimmst ausnahmslos alles, was du auf den Berg hinaufgetragen hast, auch wieder mit ins Tal.
Ebenso wichtig ist der Schutz der Uferzonen. In steilen Lagen ist die Grasnarbe sehr dünn. Wer beim Keschern am Hang Erde abtritt oder sich rücksichtslos Wege durch die Böschung bahnt, fördert die Bodenerosion. Bei den nächsten starken Regenfällen wird die lockere Erde ins Wasser gespült, was nicht nur den See trübt, sondern auch wichtige Laichbetten der Forellen und Saiblinge ersticken kann. Bewege dich also stets auf bestehenden Pfaden oder festem Felsengrund.
Auch Waidgerechtigkeit darf am Berg nicht leiden. Selbst wenn dir der Aufstieg in den Knochen steckt und du erschöpft bist, musst du nach dem Biss hochkonzentriert arbeiten. Ein Fisch, den du entnehmen möchtest, muss zügig gekeschert, vorschriftsmäßig betäubt und sofort durch einen Kiemenschnitt oder Herzstich getötet werden. Wenn du einen untermaßigen Fisch fängst, lösest du den Haken im Idealfall noch im nassen Kescher unter Wasser, um die Schleimhaut nicht der trockenen Höhenluft auszusetzen. Respekt vor der Kreatur und der Natur ist die grundlegende Basis für jedes Abenteuer.
Wenn du jetzt Lust bekommen hast, die Grundlagen für solche Touren zu erlernen und offiziell ans Wasser zu dürfen, findest du alle wichtigen Infos zur Vorbereitung auf angelschein-online.net.



