Mythos 1: Catch and Release ist immer legal
Reines Catch and Release ist in Deutschland verboten, da Fische nicht ohne vernünftigen Grund gefangen werden dürfen. In der Prüfung führt das Propagieren dieser Praxis sofort zum Durchfallen.
Wer sich auf YouTube oder Instagram internationale Angelvideos ansieht, bekommt schnell den Eindruck, dass Fische fangen und sofortiges Zurücksetzen der absolute Standard ist. In vielen Ländern gilt dieses reine "Catch and Release" als besonders sportlich und nachhaltig. Wenn du dieses Wissen jedoch unreflektiert in die deutsche Fischerprüfung übernimmst, hast du ein massives Problem. Das deutsche Tierschutzgesetz regelt ganz klar: Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen.
Der reine Spaß am Drill oder das perfekte Foto für Social Media gelten vor dem Gesetzgeber nicht als vernünftiger Grund. Wenn du in Deutschland angeln gehst, muss deine grundsätzliche Absicht sein, den gefangenen Fisch auch sinnvoll zu verwerten – sprich: ihn zu essen. Egal ob du deinen Angelschein in Hamburg oder in einem anderen Bundesland machst, in der Theorieprüfung wird dieses Prinzip strikt abgefragt.
Natürlich gibt es Situationen, in denen du einen Fisch zurücksetzen musst. Das ist aber kein "Catch and Release" aus sportlichen Motiven, sondern eine gesetzliche Hegepflicht. Dazu gehören folgende Fälle:
- Der Fisch hat die gesetzliche Mindestmaße noch nicht erreicht.
- Der Fisch befindet sich in der Schonzeit.
- Der Fisch ist ganzjährig geschützt.
In diesen speziellen Fällen musst du den Fisch schonend und zügig wieder in sein Gewässer entlassen. Kreuzt du in der Prüfung jedoch an, dass du jeden gefangenen Fisch aus Prinzip wieder freilässt, fällst du durch. Verlasse dich also niemals auf das, was internationale Influencer vor der Kamera praktizieren, sondern verinnerliche die strengen deutschen Tierschutzvorgaben.
Mythos 2: Der Kiemenschnitt ist veraltet
Der Herzstich oder Kiemenschnitt nach dem Betäuben ist gesetzlich vorgeschrieben und prüfungsrelevant. Videos aus dem Ausland zeigen oft andere Methoden, die hierzulande als Tierquälerei gelten.
In vielen Online-Foren und Kommentarspalten liest man immer wieder, dass der Kiemenschnitt oder der Herzstich altmodisch seien. Oft sieht man in Videos aus Nordamerika oder Skandinavien, wie Fische lediglich betäubt und dann auf Eis geworfen werden, oder es wird der sogenannte "Genickschnitt" propagiert. Für die deutsche Angelprüfung ist dieses Halbwissen absolut fatal.
Der Gesetzgeber und die Prüfungsordnungen der Bundesländer schreiben einen ganz genauen und zweistufigen Prozess vor, wenn ein maßiger Fisch, der nicht der Schonzeit unterliegt, getötet werden soll. Dieser Ablauf dient dem maximalen Tierschutz und muss im Schlaf sitzen:
- Betäuben: Dem Fisch muss durch einen kräftigen Schlag auf den Kopf (genau über den Augen) das Bewusstsein genommen werden. Dies geschieht in der Regel mit einem Fischtöter.
- Töten (Ausbluten): Unmittelbar nach der Betäubung muss der Fisch getötet werden, um sicherzustellen, dass er nicht wieder zu Bewusstsein kommt.
Für diesen zweiten Schritt sind in Deutschland gesetzlich exakt zwei Methoden vorgesehen: der Herzstich oder der Kiemenschnitt (auch Kiemenrundschnitt genannt). Beim Herzstich wird das Messer in die Delle zwischen den Brustflossen geführt, beim Kiemenschnitt werden die Kiemenbögen durchtrennt, was zu einem schnellen Ausbluten führt.
Beide Methoden gelten keineswegs als veraltet, sondern sind die einzig rechtlich anerkannten Verfahren, um einen Fisch nach der Betäubung waidgerecht zu töten. Wenn du in der Prüfung alternative, im Ausland beliebte Tötungsmethoden ankreuzt, gilt die Frage als falsch beantwortet. Der korrekte Tötungsprozess ist eines der wichtigsten Kernthemen in der theoretischen und oft auch in der praktischen Prüfung.
Mythos 3: Setzkescher dürfen überall benutzt werden
Der Einsatz von Setzkeschern ist in vielen Bundesländern streng reglementiert oder komplett verboten. In der Theorieprüfung musst du die genauen regionalen Bestimmungen zum tierschutzgerechten Hältern kennen.
Ein Bild, das man in älteren Angelmagazinen oder in aktuellen Videos aus unseren europäischen Nachbarländern oft sieht: Der Angler sitzt entspannt am Ufer und im Wasser schwimmt ein meterlanger Setzkescher, der sich im Laufe des Tages mit Fischen füllt. Aus diesem Bild leiten viele Anfänger den Mythos ab, dass das Hältern von Fischen im Kescher völlig normal und überall erlaubt sei. Das ist für die deutsche Angelprüfung ein gefährlicher Irrtum.
Das Hältern von lebenden Fischen stellt eine extreme Stresssituation für das Tier dar. Aus diesem Grund greift auch hier das Tierschutzgesetz. Der Einsatz von Setzkeschern ist in Deutschland an extrem strenge Auflagen gebunden und in vielen Regionen sogar komplett verboten. So gilt beispielsweise für den Angelschein in Nordrhein-Westfalen ein genaues Regelwerk darüber, aus welchem Material ein Kescher bestehen muss, wenn er überhaupt geduldet wird.
Dort, wo der Setzkescher noch unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt ist, gelten strikte Anforderungen, die du für die Prüfung auswendig lernen musst:
- Der Kescher muss zwingend aus knotenlosem Material bestehen, um die empfindliche Schleimhaut der Fische nicht zu verletzen.
- Er muss eine bestimmte Mindestlänge und einen Mindestdurchmesser aufweisen (oft mindestens 3,50 Meter lang).
- Er muss horizontal im Gewässer aufgespannt werden können, damit die Fische ausreichend Platz haben.
- Das Hältern ist nur erlaubt, wenn die Fische am Ende des Angeltages sinnvoll verwertet (also getötet und gegessen) werden. Das Hältern zum reinen Fotografieren am Ende des Tages ist streng verboten.
Wenn du in der Prüfung davon ausgehst, dass ein Setzkescher zur Standardausrüstung gehört, die du überall bedenkenlos ins Wasser werfen darfst, verlierst du wichtige Punkte.
Mythos 4: Eine Abhakmatte ersetzt das nasse Tuch
Auch wenn Abhakmatten modern sind, fordert die Prüfungsordnung vielerorts zwingend das Wissen um nasse Hände und Tücher zum Schutz der Schleimhaut. Verlässt du dich nur auf die Matte, antwortest du in der Prüfung falsch.
Die moderne Karpfenangelei hat viele neue Ausrüstungsgegenstände hervorgebracht, die dem Schutz des Fisches dienen sollen. Eines der bekanntesten Utensilien ist die dicke, gut gepolsterte Abhakmatte (Unhooking Mat). Viele angehende Angler glauben durch Social-Media-Einflüsse, dass der Besitz einer solchen Matte alle anderen Regeln zum Fischhandling außer Kraft setzt. Der Mythos: Wer eine Matte nutzt, braucht sich um nasse Hände oder feuchte Tücher keine Gedanken mehr zu machen.
Das ist in den Augen der Prüfer ein gravierender Fehler. Die wichtigste Schutzbarriere eines Fisches ist seine Schleimhaut. Sie schützt das Tier vor Bakterien, Pilzen und Parasiten. Wird diese Schicht beschädigt, kann der Fisch selbst Tage nach dem Zurücksetzen (falls er untermaßig war) an einer Infektion verenden. Eine trockene Hand oder ein trockenes Handtuch reißt diese Schleimhaut unweigerlich auf – völlig egal, wie weich die Abhakmatte darunter gepolstert ist.
Machst du zum Beispiel deinen Angelschein in Bayern, wirst du in der Prüfung sehr detailliert zur Fischbiologie und zum waidgerechten Umgang befragt. Die Prüfungsfragen zielen fast immer auf die absoluten Grundlagen ab:
- Bevor du einen Fisch berührst, musst du dir zwingend die Hände nass machen.
- Wenn der Fisch abgehakt wird und dabei auf einem Untergrund abgelegt wird, muss dieser nass sein (egal ob es Gras, ein Tuch oder eine Abhakmatte ist).
- Fische dürfen niemals mit einem trockenen Handtuch gegriffen werden.
Die Abhakmatte ist eine tolle Ergänzung, um Verletzungen durch harten Boden zu vermeiden. In der Prüfung wird aber das Basiswissen über den Schleimhautschutz abgefragt. Wer hier angibt, eine trockene Matte reiche aus, antwortet falsch.
Mythos 5: Extra lange Drills für spektakuläre Videos
Ein Drill muss so kurz wie möglich gehalten werden, um dem Fisch unnötiges Leid zu ersparen. Wer in der Prüfung lange Drillzeiten als sportlich verteidigt, verstößt gegen das Tierschutzgesetz.
Ein schreiender Bissanzeiger, eine extrem krumme Rute und ein minutenlanger, dramatischer Kampf mit dem Fisch – das bringt Klicks und Likes im Internet. Oft wird dafür bewusst extrem feines, leichtes Gerät (Ultra-Light-Tackle) verwendet, um auch bei mittelgroßen Fischen einen vermeintlich epischen Drill zu erzwingen. Viele Anfänger übernehmen diese Praxis und glauben, dass es beim Angeln darum geht, dem Fisch möglichst lange Paroli zu bieten.
Für die offizielle Fischerprüfung ist diese Einstellung ein direkter Weg zum Nichtbestehen. Das Tierschutzgesetz fordert von jedem Angler, einem Tier unnötiges Leiden zu ersparen. Ein extrem in die Länge gezogener Drill versetzt den Fisch in Todesangst und führt zu einer massiven Übersäuerung der Muskulatur (Milchsäurebildung). Wenn ein untermaßiger Fisch nach einem solchen Erschöpfungskampf zurückgesetzt werden muss, sind seine Überlebenschancen drastisch reduziert, da er keine Kraft mehr hat, sich in der Strömung zu halten oder Feinden zu entkommen.
In der Theorieprüfung wird daher der Grundsatz vermittelt: Ein Drill muss so kurz wie möglich, aber so lang wie nötig gehalten werden. Das bedeutet für dich als Angler:
- Deine Angelausrüstung (Rute, Rolle, Schnurstärke) muss immer auf den zu erwartenden Zielfisch abgestimmt sein.
- Du darfst nicht gezielt mit zu schwachem Material auf große Fische angeln.
- Der Fisch soll zügig und sicher über den Kescher geführt werden, ohne ihn im Wasser buchstäblich "totzudrillen".
Wer in der Prüfung angibt, dass ein langer Drill zeugnis sportlicher Fairness sei, hat das Prinzip der Waidgerechtigkeit nicht verstanden und wird in der Prüfungsordnung gnadenlos abgestraft.
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